Die Zukunft fährt nicht von selbst

Berufsbildende im Spagat zwischen Ausbildung und Alltag

Wer Lernende ausbildet, übernimmt Verantwortung – für den Betrieb, für junge Menschen und für die Zukunft des Autogewerbes. Berufsbildende leisten täglich weit mehr, als Fachwissen zu vermitteln. Ein Engagement, das Anerkennung verdient und den Rückhalt der Betriebe braucht.
Publiziert: 17. Juli 2026

Von

Dora Szöke


										Berufsbildende im Spagat zwischen Ausbildung und Alltag
Berufsbildende engagieren sich für unsere Branchenzukunft. Deshalb ist es durchaus angemessen, einmal bewusst Danke zu sagen. Foto: AGVS-Medien/Peter Fuchs

Wer in einer Garage Lernende ausbildet, weiss: Einen typischen Arbeitstag gibt es selten. Das Telefon klingelt, die Kundschaft wartet, Ersatzteile treffen verspätet ein und der Werkstattplan ändert sich kurzfristig. Genau in diesem hektischen Umfeld findet Ausbildung statt. Berufsbildende übernehmen dabei eine Aufgabe, die oft als selbstverständlich angesehen wird. Sie betreuen Jugendliche über mehrere Jahre, vermitteln Fachwissen, sorgen für Routine und helfen dabei, Schritt für Schritt mehr Verantwortung zu übernehmen. Sie erkennen, wann jemand bereit für die nächste Herausforderung ist und merken ebenso, wenn bestimmte Lernende mehr Unterstützung brauchen.

Das gilt für alle Autoberufe. Ob angehende Automobil-Mechatronikerinnen und -Mechatroniker, Automobil-Fachleute oder Automobil-Assistentinnen und -Assistenten – jede Grundbildung stellt andere Anforderungen. Dasselbe gilt für Kaufleute im Automobil-Gewerbe sowie Detailhandelsfachleute in den Branchen Automobil Sales und After-Sales. Die Tätigkeiten unterscheiden sich, der Auftrag ist aber stets derselbe: junge Menschen auf ihrem Weg ins Berufsleben zu begleiten und sie auf eine Zukunft in der Automobilbranche vorzubereiten.

 

Mitten im Tagesgeschäft

Dabei geht es längst nicht nur um Technik oder Prozesse. Berufsbildende vermitteln auch Sozialkompetenzen wie Zuverlässigkeit, Sorgfalt und den Umgang mit Kundinnen und Kunden. Sie erklären, weshalb Qualität wichtig ist, wieso eine saubere Arbeitsweise zählt und warum Verantwortung nicht erst nach dem Lehrabschluss beginnt. Vieles davon geschieht ganz nebenbei zum Tagesgeschäft. 

Wer selbst ausbildet, kennt auch die andere Seite. Nicht jeder Tag läuft nach Plan. Manchmal muss ein Arbeitsablauf ein zweites oder drittes Mal erklärt werden. Manchmal braucht ein Lernender einfach etwas länger, bis der berühmte «Knopf aufgeht». Genau dafür braucht es Geduld und Zeit. Sind Auftragsbücher gut gefüllt und der wirtschaftliche Druck hoch, wird diese Zeit allerdings immer wertvoller. Umso bemerkenswerter ist es, dass viele Berufsbildende ihre Aufgabe dennoch mit grossem Engagement wahrnehmen. Sie investieren in junge Menschen, obwohl der Kalender oft schon voll genug ist und übernehmen dabei sogar eine Vorbildfunktion.

 

Ausbildung braucht Rückhalt

Deshalb richtet sich dieser Beitrag auch an Betriebsinhabende und Führungskräfte. Gute Ausbildung ist keine Aufgabe, die nebenbei erledigt werden kann. Sie braucht Menschen, die Verantwortung übernehmen und Betriebe, die ihnen den nötigen Rückhalt geben. Wer seinen Berufsbildenden Vertrauen schenkt und ihnen den Freiraum gibt, Lernende sorgfältig zu unterstützen, investiert nachhaltig in die Zukunft des eigenen Unternehmens. Gerade weil im Autogewerbe oft über den Arbeitskräftemangel gesprochen wird, lohnt sich dieser Blick besonders. Qualifizierte Berufsleute fallen bekanntlich nicht vom Himmel. Sie werden Tag für Tag in den zahlreichen Garagen ausgebildet. Hinter jedem erfolgreichen Lehrabschluss stehen Berufsbildende, die ihr Wissen weitergeben, Erfahrungen teilen und junge Menschen auf ihrem Weg begleiten.

Vielleicht ist das ein guter Anlass, ihnen einmal bewusst Danke zu sagen. Nicht, weil Berufsbildende eine aussergewöhnliche Aufgabe übernehmen, sondern weil sie eine unverzichtbare leisten. Sie sorgen dafür, dass die Automobilbranche auch morgen auf gut ausgebildete Fachkräfte zählen kann. Und genau deshalb verdienen sie nicht nur am Ende einer Lehre, sondern das ganze Jahr über Anerkennung und Wertschätzung für ihre Arbeit.